SANIERUNGSKOSTEN

Altbau-Elektrik erneuern: Kosten, Pflichten und Ablauf

Bei der Sanierung einer Bestandsimmobilie steht die Elektroinstallation selten an erster Stelle der Wunschliste. Dennoch ist ihr Zustand für Sicherheit und Modernisierbarkeit entscheidend. Alte Leitungen mit gealterter oder textiler Isolierung, fehlende zeitgemäße Schutzmaßnahmen oder klassische Nullung können je nach Zustand und Nutzung Prüf- und Anpassungsbedarf auslösen und bei umfassenden Modernisierungen das Budget beeinflussen.

1. Wann muss die Altbau-Elektrik erneuert werden?

Für bestehende Elektroanlagen entsteht nicht allein aufgrund ihres Alters automatisch eine Pflicht zur vollständigen Erneuerung. Änderungen, Erweiterungen, erkennbare Sicherheitsmängel oder neue technische Anforderungen können jedoch Prüf- und Anpassungsbedarf auslösen. Entscheidend sind Zustand, Nutzung und Umfang des geplanten Eingriffs.

  • Zweiadrige Leitungen und klassische Nullung: Solche Installationen entsprechen nicht dem heutigen Sicherheitsniveau. Ob und in welchem Umfang eine Anpassung erforderlich ist, sollte eine Elektrofachkraft anhand von Zustand und geplanten Änderungen beurteilen.
  • Neue Verbrauchs- oder Erzeugungsanlagen: Wärmepumpe, Wallbox oder Photovoltaikanlage können Anpassungen am Zählerplatz und an der Elektroverteilung erforderlich machen. Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt von der vorhandenen Anlage, der geplanten Leistung und den technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers ab.
  • RCD-/FI-Schutz: Bei neuen oder wesentlich geänderten Stromkreisen sind die aktuell geltenden Schutzanforderungen zu berücksichtigen. Moderne RCD-Schutzmaßnahmen sind für bestimmte Stromkreise normativ vorgesehen; ob bestehende Anlagenteile angepasst werden müssen, hängt vom Eingriff und Zustand der Installation ab.
  • Ältere Aluminiumleitungen: Insbesondere ihre Verbindungsstellen können aufgrund materialbedingter Eigenschaften, Oxidation und ungeeigneter Kontaktierung erhöhte Übergangswiderstände und Erwärmung begünstigen. Ihr Zustand sollte fachgerecht geprüft werden.

2. Richtwerte: Was kostet die Elektroerneuerung pro m²?

Die Werte sind Orientierungsbereiche. Wandaufbau, Leitungswege, vorhandene Installation, Zählerplatz, Region, Ausstattungsniveau und notwendige Folgearbeiten können die tatsächlichen Kosten deutlich verändern. Die Planung kann sich an den Planungs- und Ausstattungsanforderungen der DIN-18015-Reihe orientieren; DIN 18015-1 behandelt Planungsgrundlagen, DIN 18015-2 Art und Umfang der Mindestausstattung.

AusstattungsstandardBeschreibung & UmfangKosten pro m² WohnflächeGeschätzte Gesamtkosten bei 130 m²
Basis-AusstattungGrundlegende Anzahl an Steckdosen, Lichtauslässen und Stromkreisen entsprechend Raumart, Nutzung, Möblierung und Planung.80 bis 110 Euro / m²10.400 bis 14.300 Euro
Gehobener StandardGroßzügige Steckdosenanzahl, Netzwerkverkabelung, TV-Anschlüsse und Spot-Vorbereitungen.120 bis 160 Euro / m²15.600 bis 20.800 Euro
Premium / Smart HomeAutomatisierte Steuerung für Licht, Beschattung und Heizung, Bus-Verkabelung und erweiterte Schaltschränke.180 bis 250 Euro+ / m²23.400 bis 32.500 Euro+

3. Kostenaufschlüsselung am Praxis-Beispiel

Vereinfachtes Beispiel für ein Einfamilienhaus mit 130 m² Wohnfläche, Baujahr 1968 und angenommenem gehobenem Ausstattungsumfang. Tatsächliche Angebote können regional und projektspezifisch deutlich abweichen.

  • Beispielhaft neuer Zählerschrank inklusive SLS-Schalter und Überspannungsschutz: ca. 3.500 bis 4.500 Euro. Der konkrete Aufbau hängt von Netzform, Anschlussbedingungen, Anlagenumfang und geplanter Modernisierung ab.
  • Kabelmaterial, Unterputzdosen, Sicherungsautomaten und RCDs: ca. 2.200 bis 2.800 Euro.
  • Schalterprogramm und Steckdoseneinsätze: ca. 1.200 bis 1.800 Euro.
  • Netzwerkverkabelung mit CAT 7 und Duplex-Dosen in Wohnräumen: ca. 1.500 bis 2.200 Euro.
  • Arbeitslohn für Schlitzen, Verlegen, Klemmen und Messung: ca. 7.500 bis 9.500 Euro.

Ergebnis

Rechnerische Summe der genannten Positionen ohne Eigenleistung: ca. 15.900 bis 20.800 Euro inklusive MwSt. Die Spanne ist eine Projektorientierung und keine Kostengarantie.

4. Eigenleistung als Sparhebel

Die Arbeitskosten machen bei der Elektroerneuerung häufig einen großen Teil der Gesamtsumme aus. Vorarbeiten können sparen, die Verantwortung bleibt aber klar getrennt.

  • Vorbereitende Arbeiten wie Schlitze oder Dosenöffnungen können nach vorheriger Abstimmung mit dem Elektrofachbetrieb den Arbeitsaufwand und damit die Kosten reduzieren. Die mögliche Ersparnis ist projektabhängig.
  • Das Verlegen oder Einziehen von Leitungen kommt nur nach vorheriger Planung und ausdrücklicher Abstimmung mit dem ausführenden Elektrofachbetrieb infrage. Anschlüsse, Arbeiten an Verteilungen oder an spannungsführenden Teilen sind keine Eigenleistung.
  • Anschlussarbeiten, Schutzmaßnahmen und die abschließende Prüfung gehören in die Hände einer qualifizierten Elektrofachkraft. Arbeiten am Netzanschluss und Zählerplatz unterliegen zusätzlich den Vorgaben des Netzbetreibers und können eine Eintragung des Installationsunternehmens im Installateurverzeichnis voraussetzen.
  • Nach Abschluss einer neuen, erweiterten oder wesentlich geänderten Installation muss diese nach DIN VDE 0100-600 fachgerecht besichtigt, erprobt, gemessen und dokumentiert werden. Die Prüfung weist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen und den sicheren Betrieb nach.

5. Strukturierte Budgetierung mit Morgenheim

  • Die Morgenheim Analyse ermittelt realistische Gesamtkosten inklusive Gewerke-Schnittstellen.
  • Die Morgenheim Begleitung erfasst Elektriker-Angebote im Baukosten-Cockpit und gleicht Abschlagszahlungen laufend mit dem Budget ab.
  • Schnittstellen zu Putz, Malerarbeiten, Küche, Bad, Smart Home und Netzwerk werden sichtbar, bevor Folgearbeiten das Budget belasten.
  • Elektroplanung, Zählerplatz sowie Anschlüsse für Küche, Bad, Wärmepumpe, Photovoltaik und Wallbox sollten früh mit den beteiligten Fachplanern und Gewerken abgestimmt werden.

Die Erneuerung der Altbau-Elektrik kann Gebäudesicherheit, Nutzbarkeit und Werterhalt verbessern. Abgestimmte Vorarbeiten können Kosten reduzieren. Planung, Anschluss, Schutzmaßnahmen sowie Prüfung und Dokumentation bleiben Aufgabe des qualifizierten Fachbetriebs.

Einordnung: Die Kosten hängen stark vom Bestand, vom gewünschten Standard und von Folgearbeiten ab. Deshalb sollte dieses Gewerk immer zusammen mit Ablauf, Puffer und Finanzierung betrachtet werden.